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Vier Pfoten: Neue EU Regeln sind eine “verpasste Gelegenheit” für Tiere und humane Wissenschaft

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Hamburg, 20.05.2010 - VIER PFOTEN begrüßt mit einer gewissen Zurückhaltung die Nachricht dass die EU-Mitgliedsstaaten eine neue Richtlinie für Tierversuche erlassen haben. Mehr als 12 Millionen Tiere werden jährlich in Europäischen Labors verwendet, darunter Affen, Hunde, Katzen, Kaninchen und Mäuse. Die neue Richtlinie ersetzt die Richtlinie 86/609, die seit zwanzig Jahren die Nutzung von Tieren regelt.

Eine Überholung der bestehenden Richtlinie war längst überfällig geworden, da die Bestimmungen keineswegs den körperlichen und psychologischen Anforderungen der Tiere entsprechen. Zudem hat es in den letzten zwanzig Jahren wesentliche wissenschaftliche Entwicklungen gegeben, vor allem im Bereich der tierfreien Versuchsmethoden. Obwohl nun wichtige Verbesserungen in manchen Bereichen umgesetzt wurden befürchtet VIER PFOTEN dass die neue Richtlinie keine ausreichende Verbesserung für die betroffenen Tiere darstellt, und die Förderung von humanen Untersuchungsmethoden vernachlässigt.     

Susanne Groth, Pressesprecherin von VIER PFOTEN, erklärt: „Die neue EU Richtlinie wird einige wichtige Fortschritte in Bereichen bringen, wo derzeit der Schutz von Tieren in Labors absolut unzureichend ist. VIER PFOTEN ist jedoch enttäuscht, dass EU Politiker diese wichtige Gelegenheit verpasst haben, eine ausreichend progressive Richtlinie im Sinne des Tierschutzes und der Förderung von alternativen Testmethoden umzusetzen. Millionen Tiere werden weiterhin für Experimente leiden, die zunehmend unzuverlässig sind. EU Bürger unterstützen die Forderung nach einer Strategie, die Zahl der verwendeten Tiere zu verringern und langfristig Tierversuche komplett zu ersetzen. Die Überarbeitung der Richtlinie hätte dies erreichen können, zum Vorteil von Tieren, Menschen und dem wissenschaftlichen Fortschritt. Es ist bedauerlich, dass diese Möglichkeit ausgelassen wurde. Nun hoffen wir, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten dass erreichen können, was die EU-Institutionen nicht geschafft haben, und bei der Umsetzung auf nationaler Ebene weiter gehen als die Richtlinie vorschreibt.“

Positive Entwicklungen der neuen Richtlinie:

- keine Verwendung von Menschenaffen wie z.B. Schimpansen (es gibt Ausnahmen)

- Beschränkungen für die Verwendung von Tieren die in freier Wildbahn eingefangen werden (es gibt Ausnahmen)

- Ethische und wissenschaftliche Überprüfung vor der Genehmigung von Tierversuchen

- Zusätzliche Bemühungen auf EU und nationaler Ebene, alternative Testmethoden zu entwickeln und zu fördern. Dies betrifft nicht nur Genehmigungstests, sondern auch medizinische Forschung und Ausbildung

Negative Entwicklungen der neuen Richtlinie:

- Die Entfernung der Verpflichtung, bei „annehmbaren und praktisch vorhandenen“ Alternativmethoden auf Tiere zu verzichten. Mit der Streichung dieser Verpflichtung wird der Tierschutz verringert und die Förderung von modernen, humanen Alternativen untergraben.

- Kein Bekenntnis zu einer EU – Strategie, Tierversuche zu verringern und langfristig komplett zu beenden.

- Keine signifikanten Beschränkungen betreffend der Verwendung von nicht-menschlichen Primaten 

Am 7. April 2010 wurden bei einem informellen Trialog mit dem Europäischen Parlament provisorische Abmachungen getroffen, die sich nun in dem Entwurf der neuen Richtlinie wiederfinden. Voraussichtlich wird das Parlament in September die Richtlinie annehmen. Mitgliedsstaaten haben dann zwei Jahre, um die Richtlinie auf nationaler Gesetzesebene umzusetzen.

VIER PFOTEN wird aktiv daran arbeiten, EU-weit die Mitgliedsstaaten dazu zu bewegen, bei der Umsetzung auf Landesebene höhere Standards für Tierschutz zu implementieren als in der EU-Richtlinie vorgesehen, und das nationale Aufsichts- und Vollzugsverpflichtungen zur Gänze umgesetzt werden.

Die Meldung des EU-Rats zur Richtlinie findet man hier:

http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_Data/docs/pressdata/en/agricult/114370.pdf)

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