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Der Tod des Tiberius

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Gnadenhof Momo - Der Tod des Tiberius
Tiberius, ein DSH- Mischlingsrüde, Mikrochip-Nr. 968000003015779, gehörte zu den Hunden, die am 11.11.2010 durch das Veterinäramt Diepholz im Zuge einer Sicherstellungsmaßnahme auf dem Hof von Familie Bennefeld sichergestellt wurde.
Tiberius war auch einer der beiden Hunde, die nach Angaben des Veterinäramtes Diepholz und gemäß Pressemeldungen, stationär aufgenommen werden mussten. Gegen Mittag des 12.11.2010 wurde Tiberius durch Frau Dres. Med. Vet. Christine Lund, in Absprache mit der zuständigen Amtsveterinärin Frau Dr. Med. Vet. Anja Eisenack,  euthanasiert.
Wer die Presse- und Internetberichte über den Gnadenhof Momo verfolgt, ist geneigt, daran nichts Besonderes zu bemerken und die Ursache in einer Vernachlässigung oder sogar Misshandlung durch die Familie Bennefeld zu suchen. Für den, der sich etwas gründlicher informiert und über etwas mehr Hintergrundwissen verfügt, zeichnet sich ein ganz anderes Bild.
Für die Euthanasie von Tiberius gibt es in den Gerichtsakten und Pressemeldungen mehrere voneinander abweichende Begründungen, die sich nur in so fern gleichen, als sie in den wenigen Stunden in denen sich Tiberius in der Verantwortung und dem Einflussbereich von Frau Dr. Med. Vet. Anja Eisenack befand, nicht diagnostizierbar waren.

Nach ursprünglicher Aktenlage wurde der Hund am 12.11.2010 aufgrund unheilbarer Leishmaniose euthanasiert. Die Diagnose begründete Frau Dres. med. vet. Christine Lund mit Leckekzemen an den Vorderläufen (Bild Nr.15  (BI 71 d.A) und BI 136 d.A  in den Akten). Hierzu ist zu bemerken, dass  a) zentrale und nur lokal auftretende Leckekzeme kein Symptom der Leishmaniose sind und das  b) der Mischlingsrüde nie in einem edemischen Gebiet gehalten wurde. Eine Infektion mit Leishmaniose ist nach wissenschaftlichem Kenntnisstand demnach ausgeschlossen.

Bei Tiberius handelt es sich um einen ehemaligen Streunerhund aus Rumänien. Er wurde als sehr junger Hund eingefangen und in einem inzwischen nicht mehr existierenden Tierheim in einer kleinen Ortschaft, etwa 40 Kilometer westlich von Pitesti abgegeben. Nach Auskunft von Dr. rer. nat. Torsten Naucke, Parasitologe, Vollbergstr. 37, D-53859 Niederkassel, Fax: 02208-7579844, erstreckt sich das Leishmaniose- edemische Gebiet in Rumänien von der Schwarzmehrküste bis etwas nördlich von Bukarest. Der Rüde wurde in Rumänien aber etwa 190 Kilometer nord- westlich von Bukarest eingefangen und gehalten. Im September 2005 kam der Rüde auf eine private Pflegestelle in Dortmund - NRW. Im Januar 2006 übernahm ihn eine Pflegestelle in Sachsen Anhalt. Im August 2006 wurde er an Familie Bennefeld - Niedersachsen abgegeben. Weder NRW, Sachsen Anhalt noch Niedersachsen sind bezüglich der Leishmaniose edemisch. Eine Infektion mit Leishmaniose ist daher nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand ausgeschlossen. Dies kann und würde auf Anfrage durch Herrn Dr. rer. nat. Torsten Naucke, der sich ungefragt bereit erklärte, auch vor Gericht als wissenschaftlicher Sachverständiger zur Verfügung zu stehen, bestätigt. Zur ursprünglichen Diagnose der Leishmaniose als Indikation zur Euthanasie ist anzumerken, dass eine Infektion allein und auch eine bereits ausgebrochene Krankheit, keine Euthanasie rechtfertigen. Auf unsere Anfrage gaben mehrere deutsche Labore übereinstimmend an, eine Titerbestimmung im Verlauf eines Arbeitstages durchführen zu können, vorausgesetzt, die Blutprobe/Serenprobe würde am frühen Vormittag angeliefert. Der Rüde wurde aber erst am Nachmittag des 11.11.2010 sichergestellt und bereits am Vormittag des 12.11.2010 euthanasiert. Da der Hund keine typischen Symptome aufwies und ein Labornachweis schon aus zeitlichen und technischen Gründen ausgeschlossen werden muß, ist eine Verwechselung (wie in dem korrigierten Bericht angegeben) der Diagnosen ausgeschlossen. Einer der beiden stationär aufgenommenen Hunde war mit Leishmaniose infiziert.

In dem korrigierten Bericht vom 05.01.2011 (AZ 11 A 5476/10 ) gibt Frau Dr. Med. Vet. Anja Eisenack, basierend auf dem korrigierten Bericht von Frau Dres. med. vet. Christine Lund an, der Rüde sei in der Hauptsache aufgrund multipler tiefer Läsionen an beiden Vordergliedmaßen, hervorgerufen durch verhaltensbedingte Leckdermatitis, euthanasiert worden. Laut dem Bericht sei eine erfolgreiche Behandlung aufgrund einer schwerwiegenden Verhaltensstörung und der hohen Aggressivität des Rüden, nicht erfolgversprechend gewesen.
Im Februar 2011 gibt Frau Dr. Med. Vet. Anja Eisenack gegenüber der Zeitung, „Die Harke" an, der Rüde sei aufgrund alter Verletzungen, die so schwerwiegend waren, dass eine Behandlung nur mit erheblichen Belastungen, Schmerzen und Leiden für das Tier über einen langen Zeitraum hätte erfolgen können, eingeschläfert worden. ( siehe Meine Sonntagszeitung vom 13.02.20100 ).

Das sind die Diagnosen Nr. 2 und Nr. 3. Dabei fällt auf, das zwar gegenüber der Zeitung alte Verletzungen angegeben wurden, diese aber in dem korrigierten Bericht, der den Gerichtsakten beiliegt, nicht erwähnt wurden. Der Zeitung gegenüber wurden dagegen die multiplen Läsionen nicht erwähnt.

Diagnose Nr. 4. Aufgrund einer Strafanzeige, Tatvorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, Aktenzeichen NZS311 Js 6173/11, gegen Frau Dres. med. vet. Christine Lund teilte uns die Staatsanwaltschaft Verden mit Schreiben vom 24.02.2011 folgendes mit: Zitat [Das zuständige Veterinäramt  hat unter dem 25.11.2010 insoweit dahingehend Stellung genommen, dass sich während der unter Narkose erfolgten Untersuchung des Hundes „Tiberius" der klinische Verdacht, dass dieser an einer extrem schweren Form der akralen Leckdermatitis gelitten habe, bestätigt habe. Der Hund wies zahlreiche Wunden, teilweise mehrere Monate alt und teilweise bis an die Knochen, an den Beinen und am restlichen Körper auf, die zuvor in keiner Weise medizinisch behandelt worden waren. Aufgrund der dortigen Gesamtwürdigung sei letztlich noch währen der Narkose des Hundes die Tötung durch Frau Dr, Eisenack angeordnet worden.]

Dieses Antwortschreiben der Staatsanwaltschaft Verden wirft weitere Fragen auf.

  • Wenn das Veterinäramt zu dem zitierten Sachverhalt schon am 25.11.2010 Stellung nahm, warum gibt der Landkreis Diepholz erst mit Schreiben vom 02.02.2011 zu, das Tiberius und die leishmaniosekranke Hündin  angeblich verwechselt wurden? Der Eingangsstempel des Verwaltungsgerichts Hannover lautet auf den 04.02.2011
  • Wenn das Veterinäramt zu dem zitierten Sachverhalt schon am 25.11.2010 Stellung nahm, warum wurden die angeblich alten, zahlreichen und unbehandelt gebliebenen Verletzungen in dem Krankenberichtt von Frau Dr. Lund, datiert auf den 05.01.2011, nicht erwähnt.
  • Warum gibt es keine beweiskräftigen Fotos von den alten Verletzungen?
  • Warum gibt es keine beweiskräftigen Fotos von den Läsionen, die angeblich bis auf die Knochen reichten?
  • Warum verfügen die Staatsanwaltschaft Verden, das Verwaltungsgericht Hannover, Familie Bennefeld und ihr Rechtsanwalt über Akten unterschiedlichen Inhaltes bzw. nur über unvollständige Akten?
  • Warum werden zu unterschiedlichen Zeiten und gegenüber unterschiedlichen Beteiligten und Journalisten, jeweils unterschiedliche Angaben zu den angeblichen Verletzungen von Tiberius gemacht?

Gnadenhof Momo - Der Tod des TiberiusZu den akralen Läsionen, der verhaltensbedingten Leckdermatitis und wie die Verletzungen an den Vorderbeinen sonst noch bezeichnet wurden, hat Tierschutz Schattenseiten einen unabhängigen Tierarzt befragt. Das Ergebnis hat uns nicht überrascht: Eine verhaltensbedingte Leckdermatitis und erst recht eine eventuelle Unheilbarkeit ist grundsätzlich nicht binnen weniger Stunden diagnostizierbar. Eine akrale Leckdermatitis kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören Fremdkörper in den Wundstellen, Allergien, Stoffwechselerkrankungen und rassebedingte Disposition. Eine psychische Disposition, ein Lecksyndrom also, ist nur über ein Ausschlussverfahren eindeutig diagnostizierbar. Ein praktisch nicht zu unterbrechendes, unheilbares Lecksyndrom mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diagnostizieren zu können, dauert bis zu drei Wochen. Tiberius wurde aber schon nach längstens 18 Stunden getötet.

Tiberius litt unter einem entwicklungspsychologisch bedingten Lecksyndrom und einer überproportionalen Stressanfälligkeit. Das wurde aber nur der Staatsanwaltschaft Verden durch eine Anamnese bekannt, die ihr als Anlage zu der Strafanzeige gegen Frau Dr. Lund und Frau Dr. Eisenack vom 22.02.2011 zuging. Von dem schwach ausgeprägten und unter ausgeglichenen Haltungsbedingungen unauffälligen Lecksyndrom konnten zum Zeitpunkt der Euthanasie weder Frau Dr. Lund noch Frau Dr. Eisenack etwas wissen. Die Diagnose war also reine Spekulation.

Einzig die Behauptung, Tiberius habe während der Untersuchung durch Frau Dr. Lund massive Aggression gezeigt, scheint aufgrund der, der Staatsanwaltschaft vorliegenden Anamnese glaubhaft. Tiberius war ausgesprochen stressanfällig, zeigte bei einem attraktiven Ressourcenangebot (Futter oder besondere Aufmerksamkeit durch seinen Menschen)  eine erhöhte Verteidigungsbereitschaft, sowie ein angstaggressives Abwehrverhalten, wenn er sich bedrängt fühlte. Sein Aggressionsverhalten stand dabei immer in direktem Zusammenhang zum aktuellen Stressniveau.

Tiberius wurde der Familie Bennefeld August 2006 übergeben. Obwohl Situationswechsel bei Tiberius zu einer Stresspotenzierung führten- Angaben dazu liegen der Staatsanwaltschaft Verden vor- fand Frau Bennefeld sofort Zugang zu Tiberius. Er zeigte keinerlei Stresssymptome. Auch später wurden keine Verhaltensauffälligkeiten oder Verletzungen, die auf symptomatisches Verhalten schließen lassen, diagnostiziert. Am 27.04.2010 besuchte die Amtsveterinärin Frau Dr. Kluge vom Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zusammen mit Herrn Dr. Rieder vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Diepholz und dem Haustierarzt der Familie Bennefeld das Grundstück in Varrel. Um diesen Besuch hatte Frau Bennefeld selbst gebeten. Aus dem Tierschutz Schattenseiten vorliegenden Bericht an den Landkreis Diepholz ergeben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Haltungsumstände geeignet gewesen wären, bei Tiberius als Auslöser für das Lecksyndrom oder andere Verhaltensauffälligkeiten auszulösen. Der Haustierarzt (Name und Praxisanschrift ist Tierschutz Schattenseiten bekannt) der Familie Bennefeld gab zu Protokoll, zu keiner Zeit erhebliche Bisswunden behandelt zu haben. Tiberius war demnach zu dieser Zeit noch gesund. Im November, also nur sechs Monate später, soll Tiberius laut Frau Dr. Eisenack zahlreiche alte und unbehandelte Verletzungen gehabt haben. Die Zahl der, von Familie Bennefeld, gehaltenen Hunde hatte sich zwar in der Zwischenzeit verdreifacht, das dies aber bei Tiberius zu erheblichen Verhaltensauffälligkeiten geführt haben soll, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Nach Einschätzung von Tierschutz Schattenseiten waren die Sicherstellungsmaßnahme und die Übernachtung im Tierheim Lindern der Stressauslöser, der zum Aufbeißen der Vordergliedmaßen führte. Sterben musste er nicht wegen der Wunden, sondern weil er sich in dieser Stresssituation nicht anfassen ließ und niemand die Kompetenz besaß, Hunde wie Tiberius einschätzen und händeln zu können. Dafür spricht auch, dass die angeblich alten und unbehandelten Verletzungen in nur einer Aussage erwähnt werden, nicht beweiskräftig dokumentiert sind, weder photographisch noch durch unabhängige Zeugen belegt.

Die Ermittlungen gegen Frau Dr. Lund (Geschäfts-Nr. NZS 311 Js 6173/11) wurde laut Schreiben vom 24.02.2011 eingestellt. Frau Dr. Lund handelte auf Anweisung von Frau Dr. Eisenack. Damit ist ihr der Vorsatz betreffend § 17 TierSchG nicht vorzuwerfen ( Müller Wolfsen/ Staatsanwaltschaft Verden). Das Ermittlungsverfahren gegen die Amtsveterinärin Frau Dr. Eisenack ist aktuell noch anhängig. Das Aktenzeichen ist Tierschutz Schattenseiten noch nicht bekannt.

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Kommentare (4)
Antwort an Gaby Classen
4 Sonntag, den 17. April 2011 um 10:06 Uhr
Admin
Sehr geehrter Herr Willemsen,

[Ihren ausführlichen Artikel zum Tod von Tiberius habe ich mit Interesse gelesen. Vorab - ich bedauere den Tod von Tiberius sehr. Mir drängen sich jedoch einige Fragen auf, die ich leider in Ihrem Artikel nicht beantwortet finde. Deshalb möchte ich sie Ihnen hier gerne stellen :]

Sehr geehrte Frau Classen, die Fragen beantworte ich gerne.

[- Warum wird in Ihrem Bericht nicht erwähnt, daß Tiberius von Ihnen an das Ehepaar Bennefeld über-/abgegeben wurde ?]

Weil das für die Sachlage unerheblich ist und diese Frage dann für jedes einzelne Tier gestellt werden müsste. Haben Sie diese Frage auch den einzelnen Tierschutzvereinen oder „Roter Ara“ gestellt?

[War Tiberius der einzige Hund, den Sie dorthin gegeben haben ?]

Nein, auch Asgard wurde von uns übergeben.

[- Warum wurde Tiberius von Ihnen überhaupt an Familie Bennefeld abgegeben ?]

Tiberius wurde nicht an Fam. Bennefeld abgegeben, sondern an einen Tierschutzverein mit Sitz in München. Fam. Bennefeld führte nur den Hof unter der Verantwortung des Tierschutzvereins. Die Gründe sind für die Sachlage unerheblich.

[- Haben Sie Tiberius jemals nach Übergabe im August 2006 selbst noch einmal in Augenschein genommen ? Seinerzeit gab es den jetzt inzwischen zweifach geräumten bzw. teilgeräumten Hof in Varrel / Dörrieloh noch gar nicht.]

Nein, dazu bestand auch kein Anlass. Das belegt u.a. die Beurteilung der Haltungsumstände durch Frau Dr. Kluge vom Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, zusammen mit Herrn Dr. Rieder vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Diepholz und dem Haustierarzt der Familie Bennefeld vom 27.04.2010.

[- Haben Sie aussagekräftige Bilder von Tiberius, seitdem er in Varrel saß - mit bis zu mehr als 100 Artgenossen ?]

Nein, ebenso wenig wie das Veterinäramt Diepholz, die zuständige Staatsanwaltschaft und die Gerichte.

[Die Bilder, welche Sie hier zeigen, dürften bereits sehr veraltet sein und vor Tiberius Abgabe in 2006 angefertigt worden sein.]

Richtig. Nur das Foto was den toten Tiberius zeigt, ist aktuell.

[Wieso liegen zwischen dem von Ihnen aufgeführten Hofbesuch vom 27.04.2010 und der ersten Räumung des Hofes am 11.11.2010 samt Tiberius Ihrer Zeitrechnung nach lediglich 3 Monate ?]

Es sind sechs Monate. Der Fehler wurde berichtigt.

[Nach meiner Zeitrechnung sind das 6,5 Monate - welche absolut "ausreichend" sind, um die tierärztlich festgestellten massiven Verletzungen (teils bis auf die Knochen, vereitert, verändertes Gewebe) als "alt" und offenbar "unbehandelt" diagnostizieren zu können.]

Da stimme ich Ihnen zu. Laut der Gerichtsakten sind die akuten Leckekzeme aber nicht gemeint. Nach Aktenlage soll Tiberius zahlreiche weitere, unbehandelte und alte Wunden gehabt haben, die aber nur in einer späteren Berichtigung der Diagnose erwähnt wurden. Beweiskräftig dokumentiert sind ausschließlich die Leckekzeme, wobei deren Ursache nicht binnen weniger Stunden diagnostizierbar sind. Hierzu können Sie sich gerne bei einigen Tierärzten Ihrer Wahl informieren, auf welche Weise eine „verhaltensbedingte akrale Leckdermatitis“ diagnostiziert werden kann und in welcher Zeit dies möglich ist.

[- Wieso geben Sie einerseits an, daß Tiberius an einem attestierten ("Zitat") : "entwicklungspsychologisch bedingten Lecksyndrom und einer überproportionalen Stressanfälligkeit" litt, geben aber gleichzeitig in Ihrem Artikel bekannt, daß Ihrer Einschätzung nach eine Vervierfachung allein des Hundebestandes (!) innerhalb von wenigen Monaten (nämlich den 6,5 Monaten, nachdem Tiberius im April 2010 noch unauffällig war) bei Tiberius "sehr wahrscheinlich nicht" zu vermehrtem Stress und entsprechender Selbstverletzung geführt haben kann ?]

Ich habe nicht geschrieben, dass die Vervierfachung des Hundebestandes nicht zu Stress und der damit verbundenen Selbstverletzung geführt haben kann. Ich halte es nur aus verschiedenen Gründen für unwahrscheinlich:
1. es ist nirgendwo dokumentiert oder belegbar, dass die Vervierfachung des Hundebestandes insgesamt, auch zu einer Vergrößerung der Gruppe geführt hat, in der Tiberius lebte.
2. Stressauslöser waren für Tiberius nach eigener Erfahrung Anforderungen an Verhaltensänderungen, Verhaltensänderungen und unterschiedliche Stimmungslagen seiner Bezugsperson und Umgebungswechsel. Mit stabilen Hundegruppen hatte Tiberius nie ein Problem. In Rumänien lebte Tiberius mit ca. 60 Hunden und nur zwei Bezugspersonen zusammen. Auffällig wurde er nur bei Baumaßnahmen auf dem Gelände oder wenn eine der Bezugspersonen über mehrere Tage nicht anwesend war.
3. Laut Diagnose und Gerichtsunterlagen hatte Tiberius nur zwei Leckekzeme, von den angeblich nur eines bis auf den Knochen reichte. Beide Leckekzeme befanden sich auf dem Kniegelenk. Wäre Stress über einen längeren Zeitraum der Auslöser gewesen, hätte Tiberius erfahrungsgemäß auch Leckekzeme und Bisswunden an allen Pfoten, den Ellenbogen und dem Schwanz haben müssen. Das Fehlen weiterer Wunden lässt also auf einen sehr kurzen Zeitraum, auslösenden Stress schließen.


[Eine Anzahl von ca. 30-40 Hunden im April 2010 - und dann Mengensteigerung bis zu der ersten Beschlagnahmung von 97 Hunden im November 2010 sowie weiterer ca. 20 Hunde im März 2011 = gesamt ca. 120 Hunde unterschiedlichsten Alters von Welpen bis zum Senior, unterschiedlicher Größen und Rassen - eine solche Steigerung / Änderung stellt keinen erheblichen Stress dar ?]

Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Aber weder Sie, ich, noch die Behörden können zuverlässig beurteilen, welche Hunde unter welchen Umständen gehalten wurden und welchem Stress die einzelnen Tiere tatsächlich ausgesetzt waren und wie empfindlich sie auf individuellen Stress tatsächlich reagierten.
Ich bin weit davon entfernt, das Verhalten von Fam. Bennefeld zu entschuldigen. Man sollte die Sachlage aber objektiv analysieren. Fam. Bennefeld war mit Sicherheit völlig überfordert, hat etliche Rechtsvorschriften verletzt und die Haltungsumstände waren in der Endphase mit ebensolcher Sicherheit desolat. Das steht außer Frage. Die Ursachen und die Mitschuld von Tierschutzvereinen, Behörden, Gerichten und Ministerien muss aber ebenso diskutiert werden. Vor Allem sollte man bei der Wahrheit bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Peter Willemsen
Tiberius-Artikel
3 Samstag, den 16. April 2011 um 18:17 Uhr
Gaby Classen
Sehr geehrter Herr Willemsen,

Ihren ausführlichen Artikel zum Tod von Tiberius habe ich mit Interesse gelesen. Vorab - ich bedauere den Tod von Tiberius sehr. Mir drängen sich jedoch einige Fragen auf, die ich leider in Ihrem Artikel nicht beantwortet finde. Deshalb möchte ich sie Ihnen hier gerne stellen :

- Warum wird in Ihrem Bericht nicht erwähnt, daß Tiberius von Ihnen an das Ehepaar Bennefeld über-/abgegeben wurde ? War Tiberius der einzige Hund, den Sie dorthin gegeben haben ?

- Warum wurde Tiberius von Ihnen überhaupt an Familie Bennefeld abgegeben ?

- Haben Sie Tiberius jemals nach Übergabe im August 2006 selbst noch einmal in Augenschein genommen ? Seinerzeit gab es den jetzt inzwischen zweifach geräumten bzw. teilgeräumten Hof in Varrel / Dörrieloh noch gar nicht.

- Haben Sie aussagekräftige Bilder von Tiberius, seitdem er in Varrel saß - mit bis zu mehr als 100 Artgenossen ? Die Bilder, welche Sie hier zeigen, dürften bereits sehr veraltet sein und vor Tiberius Abgabe in 2006 angefertigt worden sein.

Wieso liegen zwischen dem von Ihnen aufgeführten Hofbesuch vom 27.04.2010 und der ersten Räumung des Hofes am 11.11.2010 samt Tiberius Ihrer Zeitrechnung nach lediglich 3 Monate ? Nach meiner Zeitrechnung sind das 6,5 Monate - welche absolut "ausreichend" sind, um die tierärztlich festgestellten massiven Verletzungen (teils bis auf die Knochen, vereitert, verändertes Gewebe) als "alt" und offenbar "unbehandelt" diagnostizieren zu können.

- Wieso geben Sie einerseits an, daß Tiberius an einem attestierten ("Zitat") : "entwicklungspsychologisch bedingten Lecksyndrom und einer überproportionalen Stressanfälligkeit" litt, geben aber gleichzeitig in Ihrem Artikel bekannt, daß Ihrer Einschätzung nach eine Vervierfachung allein des Hundebestandes (!) innerhalb von wenigen Monaten (nämlich den 6,5 Monaten, nachdem Tiberius im April 2010 noch unauffällig war) bei Tiberius "sehr wahrscheinlich nicht" zu vermehrtem Stress und entsprechender Selbstverletzung geführt haben kann ?

Eine Anzahl von ca. 30-40 Hunden im April 2010 - und dann Mengensteigerung bis zu der ersten Beschlagnahmung von 97 Hunden im November 2010 sowie weiterer ca. 20 Hunde im März 2011 = gesamt ca. 120 Hunde unterschiedlichsten Alters von Welpen bis zum Senior, unterschiedlicher Größen und Rassen - eine solche Steigerung / Änderung stellt keinen erheblichen Stress dar ?

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir darauf antworten würden.

Danke im Voraus.

G. Classen
Tiberius
2 Freitag, den 15. April 2011 um 21:19 Uhr
Melanie Bienert
Sehr geehrter Herr Uwe Peter Willemsen

Vielleicht sollten sie mal schreiben,dass sie Tiberius (u.a.) dereinst auf den "Gnadenhof" Momo verbrachten.
Daher wundert mich es nicht,dass sie die Leute so vehement verteidigen.

MfG

M.Bienert
Tötung von Tiberius
1 Donnerstag, den 07. April 2011 um 19:04 Uhr
Klaus Schaper
Der zwangsweise, amtlicherseits veranlasste Tod dieses Hundes ist für mich das erschütternste Erlebnisse der letzten Jahre.
An Tötungen in weit entfernten Auffanglagern im Ausland hat man sich ja schon nahezu gewöhnt, doch hier in Deutschland? Mit einem Tierschutzgesetz, das auch im Grundgesetz verankert ist?
Es ist mir unverständlich, warum eine Amtstierärztin nicht auch einmal über ihren Schatten springen konnte, um für einen sicher schwer händelbaren Hund Hilfe bei den ehemaligen Haltern einzufordern. Der Tod wäre Tiberius erspart geblieben.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 20. April 2011 um 08:40 Uhr